Serge Lutgen
Mitglied der Geschäftsleitung

Scobag Anlagebrief

Wie kann man in der aktuellen Welt- und Wirtschaftslage sein Geld gewinnbringend anlegen? Unsere Einschätzung dazu und wo aktuell die Chancen für Anlegerinnen und Anleger liegen, möchten wir gerne auf den nächsten Seiten mit Ihnen teilen. In den letzten drei Monaten haben abwechselnd Hoffnung und Angst die Aktienmärkte geprägt: Je nach Newslage, haben die Aktienindices in bei-de Richtungen geschwankt, am Ende resultieren aber leider deutliche Kursverluste. Vielen Anlegern bereitet diese Situation Bauchschmerzen und die Lage sieht tatsächlich nicht besonders rosig aus. Aktuell gehen die meisten Marktteilnehmer von sinkenden Unternehmensgewinnen und einer schweren Rezession aus. Der Markt sieht sich mit einer beeindruckenden „Sorgen-wand“ konfrontiert und hat entsprechend Stellung bezogen. Aber: Das ist in der Geschichte der Finanzmärkte nicht neu. Und genau darin besteht jetzt auch die Chance für Anleger. Die aktuelle Situation bietet für langfristig orientierte Investoren Kaufchancen. Es gibt viele Unternehmen, die gute Halbjahresergebnisse gemeldet haben und heute mit 35 bis 50 Prozent Abschlag gegenüber dem Jahresanfang gekauft werden können. Bis ein klares Bild über die zukünftige Entwicklung entsteht, wird aber noch etwas Zeit vergehen. Denn Bodenbildungsphasen sind meist sehr volatil und können mehrere Monate dauern. Wir unterstützen Sie auch in dieser turbulenten Zeit bei Ihren Anlagefragen.


Jahresperformance per 30.09.2022

Aktuelle Marktsituation: Der Kampf gegen die Inflation beeinflusst alle Anlageklassen

Von Anfang Juli bis Mitte August erholten sich die Märkte, bevor im September eine erneute Korrektur erfolgte. Die Aktien wurden zunächst durch die Berichtsaison der Halbjahresergebnisse der Unternehmen gestützt. Viele Investoren fürchteten sich im Juni vor schlechten Ergebnissen und wurden dann durch die tatsächlichen Ausweise positiv überrascht. Der Rückenwind hielt aber nicht allzu lange an und ab Mitte August rückte die Angst vor einer wirtschaftlichen Abkühlung wieder stärker in den Vordergrund. Im Unterschied zu früheren Krisen stehen dieses Mal die Notenbanken aber nicht als Retter in der Not zu Verfügung. Im Gegenteil.

Die hohe Inflation zwingt die Notenbanken der westlichen Welt zu drastischen Zinserhöhungen, was neben den konjunkturellen Sorgen, der Energiekrise in Europa und der Abkühlung in China zu einer zusätzlichen Belastung für die Aktienmärkte wird. Durch die steigenden Zinsen wird die Wachstumsdynamik weiter gebremst und die Bewertungsmechanik der Aktienmärkte reagiert auf höhere Discountfaktoren und tieferes Wachstum mit sinkenden Bewertungen. Je stärker dabei der Wert einer Aktie auf zukünftig stark steigenden Gewinnen basiert, desto negativer ist der Bewertungseffekt. Die immer grösseren Rezessionssorgen belasten aber auch alle anderen Marktsegmente. Konjunktursensitive Aktien sinken, weil die Investoren sinkende Gewinne befürchten und Firmen mit schwachen Bilanzen zusätzlich von den steigenden Refinanzierungskosten belastet werden. In der Summe führt dies zu einer breiten Marktkorrektur mit deutlich negativen Kursentwicklungen seit Anfang Jahr. Die steigenden Zinsen hinterlassen aber auch am Anleihenmarkt deutliche Spuren. Je länger die Duration, desto negativer die Kursentwicklung. Immerhin sorgen die steigenden Zinsen dafür, dass nun auch Anleihen von guten Schuldnern wieder positive Nominalrenditen bieten. Obligationenanlegerbrauchen daher aktuell ähnlich starke Nerven wie Aktieninvestoren. Auch andere Anlageklassen konnten sich dem negativen Umfeld nicht entziehen. Die Kurse von Immobilienfonds in der Schweiz sind seit der Zinserhöhung durch die SNB unter Druck und angesichts der steigenden Hypothekarzinsen wird vermehrt vor Preiskorrekturen am Immobilienmarkt gewarnt. Gold als klassische Inflationsversicherung konnte ebenfalls keine positive Performance erzielen und verbucht im vergangenen Quartal einen Verlust von 7% in CHF.